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Was verdient ein selbständiger Elektriker wirklich? Die ehrliche Rechnung

Juli 13, 2026
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Was verdient ein selbständiger Elektriker wirklich?

Die Frage klingt einfach, die Antworten im Netz sind es nicht. Mal liest man von 3.000 Euro, mal von 8.000 Euro im Monat. Beide Zahlen können stimmen und beide führen in die Irre, solange niemand dazusagt, ob von Umsatz, Gewinn oder ausgezahltem Netto die Rede ist. Wer wissen will, was ein selbständiger Elektriker wirklich verdient, braucht keine schöne Zahl, sondern eine ehrliche Rechnung.

Genau die bekommen Sie hier. Nicht das Meister-Bruttogehalt aus der Anstellung, sondern die Kaskade vom ersten Euro Umsatz bis zu dem Betrag, der am Monatsende auf Ihrem privaten Konto landet. Denn zwischen dem Satz “der Betrieb macht 200.000 Euro Umsatz” und “ich habe 4.000 Euro zum Leben” liegen mehr Abzüge, als die meisten Gründer einkalkulieren.

Was verdient ein selbständiger Elektriker wirklich? Ein selbständiger Elektromeister im Ein-Personen-Betrieb erzielt in der Regel 3.000 bis 4.500 Euro netto pro Monat, gut ausgelastete Betriebe mit Mitarbeitern und Spezialisierung deutlich mehr. Entscheidend sind nicht der Umsatz, sondern die verrechenbaren Stunden, der Stundensatz und die Betriebskosten (Stand 2026).


Dieser Beitrag liefert Erfahrungswerte und Orientierung, keine Rechts-, Steuer- oder Gründungsberatung. Verbindliche Auskünfte zu Meisterpflicht und Handwerksrolle erteilt die zuständige Handwerkskammer, zu Steuern und Sozialversicherung ein Steuerberater beziehungsweise Ihre Krankenkasse. Jede Gründung ist ein Einzelfall und sollte fachlich geprüft werden.

Ein Blick auf den Markt hilft bei der Einordnung. Das Elektrohandwerk zählte 2024 rund 48.178 Betriebe mit gut 516.000 Beschäftigten und setzte 84,3 Milliarden Euro um, vier Prozent weniger als im Vorjahr (Quelle: ZVEH, 2025). Gleichzeitig lag der durchschnittliche Auftragsvorlauf bei 15,2 Wochen, und 57,5 Prozent der Betriebe meldeten offene Stellen. Übersetzt heißt das: Arbeit ist reichlich da, Fachkräfte fehlen, und wer selbst anpackt, hat einen vollen Terminkalender. Ob daraus ein gutes Einkommen wird, entscheidet die Rechnung, nicht die Auftragslage.

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Vom Umsatz zum Netto: die Kaskade, die niemand zeigt

Der häufigste Denkfehler steckt schon in der Frage. Viele Gründer schauen auf den Umsatz und rechnen im Kopf, was davon übrig bleibt. Doch der Umsatz ist die schlechteste Kennzahl, um Ihren Verdienst einzuschätzen. Zwischen dem, was der Kunde überweist, und dem, was Sie behalten, liegen vier große Stufen.

Ein Rechenbeispiel für den Ein-Personen-Betrieb

Nehmen wir einen realistischen Elektromeister ohne Angestellte, der solide ausgelastet ist. Die Zahlen sind grob gerundet und dienen der Orientierung, nicht als Garantie:

  • Jahresumsatz aus Arbeitsleistung: rund 110.000 Euro. Material wird meist durchlaufend berechnet und zählt hier nicht als Verdienst.
  • Minus Betriebskosten: rund 35.000 Euro. Fahrzeug und Sprit, Werkzeug und Messtechnik, Versicherungen, Berufsgenossenschaft, Software, Telefon, Weiterbildung, Steuerberater, Werbung und Bürokosten summieren sich schneller, als man denkt.
  • Gewinn vor Steuern: rund 75.000 Euro. Das ist die Zahl, aus der Sie leben, Rücklagen bilden und Steuern zahlen.
  • Minus Kranken- und Pflegeversicherung sowie Altersvorsorge: rund 15.000 bis 18.000 Euro. Als Selbständiger tragen Sie diese Beiträge allein, ohne Arbeitgeberanteil.
  • Minus Einkommensteuer: je nach Einzelfall rund 12.000 bis 16.000 Euro.
  • Bleibt netto: rund 40.000 bis 48.000 Euro im Jahr, also etwa 3.300 bis 4.000 Euro im Monat.

Das ist ein anständiges Einkommen und mehr als die meisten Angestellten verdienen. Aber es ist eben nicht die Hälfte von 110.000 Euro und schon gar nicht die Hälfte des Gesamtumsatzes inklusive Material. Wer das nicht durchrechnet, wundert sich im ersten Jahr, warum das volle Konto des Betriebs nichts mit dem eigenen Kontostand zu tun hat.

Warum der Umsatz die schlechteste Kennzahl ist

Ein Elektrobetrieb mit 250.000 Euro Umsatz kann weniger verdienen als einer mit 130.000 Euro. Entscheidend ist, wie viel Material durchläuft, wie hoch die Fixkosten sind und wie viele Stunden tatsächlich bezahlt werden. Zwei Betriebe mit identischem Umsatz können am Jahresende 20.000 Euro auseinanderliegen. Deshalb ist die richtige Frage nie “Wie viel Umsatz mache ich?”, sondern “Wie viel bleibt pro verrechneter Stunde übrig?”.

Der Stundensatz-Hebel: warum 60 Euro nicht 60 Euro sind

Hier liegt der größte blinde Fleck. Viele rechnen so: 60 Euro Stundensatz mal 40 Stunden mal 46 Wochen ergibt über 110.000 Euro. Diese Rechnung ist falsch, weil sie annimmt, dass jede Arbeitsstunde bezahlt wird. Das ist nie der Fall.

Die verrechenbare Stunde ist der wahre Engpass

Von rund 2.000 Jahresarbeitsstunden sind bei einem Solo-Elektriker erfahrungsgemäß nur etwa 1.100 bis 1.300 Stunden wirklich fakturierbar. Der Rest geht für Fahrten zur Baustelle, das Schreiben von Angeboten, Einkauf und Materialbeschaffung, Buchhaltung, Wartezeiten und Leerlauf zwischen Aufträgen drauf. Bei 1.200 bezahlten Stunden und 65 Euro Stundensatz landen Sie bei rund 78.000 Euro Arbeitsumsatz, plus Material. Das deckt sich mit dem Beispiel oben.

Die Konsequenz: Ein Stundensatz von 60 Euro fühlt sich hoch an, ist es aber nicht, sobald Sie die unbezahlten Stunden gegenrechnen. Wie Sie den kostendeckenden Satz sauber ermitteln, zeigt der Beitrag Stundensatz kalkulieren als Selbständiger im Detail.

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Was den Verdienst wirklich hebt und was ihn frisst

Zwischen 3.000 Euro netto und dem Doppelten liegen keine Geheimnisse, sondern ein paar wenige Stellhebel. Wer sie kennt, verdient in derselben Branche deutlich mehr als der Nachbarbetrieb.

Die drei stärksten Hebel nach oben

Erstens die Spezialisierung. Photovoltaik, Batteriespeicher, Wallboxen und E-Mobilität, die Anbindung von Wärmepumpen, Smart Home und wiederkehrende Prüfungen nach DGUV V3 werden aktuell stark nachgefragt und lassen höhere Sätze zu als reine Installationsarbeit. Zweitens die Auslastung: Ein voller, gut geplanter Kalender ohne Leerlauf schlägt jeden Stundensatz. Drittens die Sichtbarkeit. Wer online gefunden wird, bekommt die profitablen Direktaufträge von Endkunden, statt schlecht bezahlte Arbeit als Subunternehmer anzunehmen.

Genau hier trennt sich der gut verdienende Betrieb vom ausgelasteten, aber armen. Ein Elektrobetrieb ohne auffindbare Website ist auf Weiterempfehlung und Zufall angewiesen und muss nehmen, was kommt. Ein Betrieb, der bei Google und in den KI-Suchen sichtbar ist, sucht sich die Aufträge aus. Wie diese Sichtbarkeit entsteht, beschreibt der Leitfaden Webdesign für Elektriker.

Was den Verdienst frisst

Die Gegenseite ist ebenso klar: unbezahlte Fahrten, Angebote, die nie zum Auftrag werden, Forderungsausfälle bei säumigen Kunden, ein zu niedriger Stundensatz aus Angst vor Absagen und Leerlauf zwischen den Baustellen. Jede dieser Positionen kostet real Geld, taucht aber in keiner Umsatzzahl auf. Mein ehrlicher Rat als Berater: Wer seinen Verdienst heben will, sollte zuerst die unbezahlten Stunden reduzieren und die Sichtbarkeit erhöhen, bevor er über den Stundensatz nachdenkt. Ein Gespräch dazu dauert 15 Minuten und ist kostenlos.

Die häufigsten Rechenfehler von Elektro-Gründern

Wer sich verrechnet, merkt es erst nach Monaten, wenn die Rücklagen fehlen. Vier Fehler tauchen immer wieder auf.

Fehler Nummer eins: das Meistergehalt mit dem Netto verwechseln

Das Bruttogehalt eines angestellten Elektromeisters von rund 5.000 Euro ist kein Maßstab für die Selbständigkeit. Als Selbständiger tragen Sie die kompletten Sozialabgaben allein und haben Betriebskosten, die ein Angestellter nie sieht. Wer das Meistergehalt als Zielgröße ansetzt, kalkuliert zu niedrig.

Fehler Nummer zwei: nur produktive Stunden ansetzen

Wer 40 bezahlte Stunden pro Woche einplant, plant an der Realität vorbei. Realistisch sind rund 25 bis 28 fakturierbare Stunden. Der Rest ist unbezahlte, aber notwendige Arbeit. Diese Lücke kostet im Jahr schnell 20.000 Euro Fehlkalkulation.

Fehler Nummer drei: Rücklagen vergessen

Steuer-Nachzahlung, Krankheitsausfall ohne Lohnfortzahlung und die eigene Rente sind keine optionalen Posten. Wer keine Rücklagen bildet, finanziert den Betrieb im ersten Krankheitsfall aus der Substanz. Als Faustregel gilt: einen erheblichen Teil jedes Zahlungseingangs sofort für Steuer und Vorsorge zurücklegen.

Fehler Nummer vier: zu billig starten

Der niedrige Einstiegspreis, um die ersten Kunden zu gewinnen, wird zur Falle. Wer einmal zu 45 Euro arbeitet, erhöht selten und zieht die falschen Kunden an. Besser von Anfang an kostendeckend kalkulieren und die ersten Kunden über Qualität und Sichtbarkeit gewinnen, nicht über den Preis.

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Häufige Fragen zum Verdienst als selbständiger Elektriker

Was verdient ein selbständiger Elektriker im Monat?

Ein selbständiger Elektromeister im Ein-Personen-Betrieb erzielt in der Regel 3.300 bis 4.000 Euro netto pro Monat. Mit Spezialisierung auf gefragte Gewerke wie Photovoltaik oder E-Mobilität und mit Mitarbeitern liegt der Verdienst deutlich höher. Ausschlaggebend sind Auslastung, Stundensatz und Betriebskosten, nicht der reine Umsatz.

Wie viel Umsatz braucht ein Elektrobetrieb für 4.000 Euro netto?

Für rund 48.000 Euro Netto im Jahr braucht ein Solo-Betrieb grob 105.000 bis 120.000 Euro Umsatz aus Arbeitsleistung, zuzüglich des durchlaufenden Materials. Der genaue Wert hängt stark von den Betriebskosten und dem Anteil bezahlter Stunden ab und sollte im Einzelfall mit dem Steuerberater durchgerechnet werden.

Braucht man einen Meister, um sich als Elektriker selbständig zu machen?

Das Elektrotechniker-Handwerk ist grundsätzlich zulassungspflichtig und steht in Anlage A der Handwerksordnung. In der Regel ist ein Meistertitel oder eine gleichwertige Qualifikation nötig, teils sind Ausnahmen über die Altgesellenregelung möglich. Verbindlich klärt das nur die zuständige Handwerkskammer.

Welcher Stundensatz ist als Elektriker realistisch?

Je nach Region und Spezialisierung liegen die Sätze im Elektrohandwerk häufig zwischen 55 und 80 Euro pro Stunde für Endkunden. Wichtig ist, dass der Satz die unbezahlten Stunden mitträgt. Ein kostendeckender Stundensatz berücksichtigt Fahrten, Angebote und Leerlauf und liegt daher höher, als viele Gründer zunächst annehmen.

Wie viel verdient man mit Photovoltaik als Elektriker?

Photovoltaik, Speicher und Wallboxen zählen aktuell zu den nachgefragtesten Gewerken und lassen oft höhere Sätze und Projektmargen zu als klassische Installationen. Der Verdienst hängt davon ab, ob Sie als reiner Installateur arbeiten oder Planung und Inbetriebnahme mit anbieten. Die Nachfrage ist durch die Energiewende hoch geblieben.

Lohnt sich die Selbständigkeit als Elektriker finanziell?

Für einen gut ausgelasteten, sichtbaren Betrieb lohnt sie sich in der Regel und übersteigt das Angestellten-Einkommen. Der Unterschied zwischen ausgelastet und arm liegt in der Kalkulation und der Kundengewinnung. Wer kostendeckend rechnet und online gefunden wird, verdient deutlich mehr als jemand, der über den Preis konkurriert.

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Wer die Rechnung von Anfang an ehrlich aufmacht, startet mit realistischen Erwartungen und den richtigen Prioritäten. Weitere Grundlagen finden Sie in den Beiträgen Selbständig machen als Elektriker, Kundengewinnung über die Website und im Überblick Selbständig machen im Handwerk.





Inhaltsverzeichnis:

Autor

David Keiser, Webdesigner und SEO-Berater aus Recklinghausen

David Keiser

David Keiser bringt über 10 Jahre Erfahrung im Webdesign und der Suchmaschinenoptimierung mit und gilt als ausgewiesener Experte.

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