95% Ihrer Website besteht aus Text – und trotzdem denken die meisten Unternehmer beim Webdesign zuerst an Farben und Bilder. Dabei entscheidet die Typografie darüber, ob Besucher Ihre Inhalte lesen oder nach 3 Sekunden abspringen.
Schrift ist nicht nur Dekoration. Sie transportiert Ihre Markenpersönlichkeit, beeinflusst die Lesbarkeit und steuert unbewusst, wie professionell Ihr Unternehmen wahrgenommen wird. Ein Steuerberater mit Comic Sans wirkt unseriös. Eine Anwaltskanzlei mit verspielter Handschrift verliert Vertrauen, bevor der erste Satz gelesen ist. Ich zeige Ihnen, wie Sie die richtige Schrift für Ihre Website finden – und welche Fehler Sie unbedingt vermeiden sollten.
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Warum Typografie so wichtig ist
Typografie beeinflusst drei entscheidende Faktoren Ihrer Website:
Lesbarkeit: Wenn Besucher Ihren Text nicht mühelos lesen können, lesen sie ihn nicht. Zu kleine Schrift, zu geringer Zeilenabstand oder zu wenig Kontrast – und Ihre sorgfältig geschriebenen Inhalte verpuffen. Studien zeigen: 38% der Nutzer verlassen eine Website, wenn sie das Layout als unattraktiv empfinden. Typografie ist der größte Teil dieses Layouts.
Markenwahrnehmung: Schrift kommuniziert unterbewusst. Serifenschriften wie Georgia wirken traditionell und vertrauenswürdig. Sans-Serif-Schriften wie Inter wirken modern und klar. Handschriften wirken persönlich, aber schnell unprofessionell. Ihre Schriftwahl muss zu Ihrer Branche und Zielgruppe passen.
Conversion: Gut lesbare, professionelle Typografie erhöht die Verweildauer und damit die Chance, dass Besucher zu Kunden werden. Eine IBM-Studie zeigte, dass gute Typografie die Aufgabenerledigungsrate um bis zu 20% steigern kann.
Serif vs. Sans-Serif: Welche Schriftart passt zu Ihrem Unternehmen?
Die erste Grundentscheidung bei der Schriftwahl: Serifen oder keine Serifen?
Serifenschriften haben kleine Striche an den Buchstabenenden (die „Serifen”). Beispiele: Georgia, Playfair Display, EB Garamond, Libre Baskerville. Sie wirken klassisch, elegant und vertrauenswürdig. Ideal für Rechtsanwälte, Steuerberater, Finanzdienstleister, gehobene Gastronomie und Unternehmen, die Tradition und Kompetenz betonen wollen.
Sans-Serif-Schriften sind ohne Serifen – klare, reduzierte Formen. Beispiele: Inter, Roboto, Poppins, DM Sans, Montserrat. Sie wirken modern, technisch und zugänglich. Ideal für Tech-Unternehmen, Start-ups, Handwerker, Gesundheitswesen und alle, die einen frischen, zeitgemäßen Auftritt wollen.
Meine Empfehlung für KMU: Im Zweifel Sans-Serif. Diese Schriften sind auf Bildschirmen besser lesbar, besonders auf Smartphones. Inter, DM Sans oder Poppins sind sichere Wahlen, die professionell wirken und auf allen Geräten gut aussehen.
Die besten Google Fonts für Unternehmenswebsites
Google Fonts sind kostenlos, DSGVO-konform (wenn lokal eingebunden) und decken 99% aller Anforderungen ab. Hier meine Top-Empfehlungen:
Für Fließtext (Body):
Inter – der aktuelle Standard für professionelle Websites. Hervorragend lesbar, neutral und vielseitig. Wird von großen Marken wie GitHub und Mozilla verwendet.
DM Sans – weicher und freundlicher als Inter. Perfekt für Dienstleister, die nahbar wirken wollen.
Roboto – der Google-Klassiker. Millionenfach bewährt, funktioniert immer.
Poppins – geometrisch und modern. Gut für kreative Branchen und jüngere Zielgruppen.
Für Überschriften (Headlines):
Playfair Display – elegante Serifenschrift für auffällige Überschriften. Funktioniert hervorragend in Kombination mit Sans-Serif-Fließtext.
Montserrat – kräftig und selbstbewusst. Ideal für Headlines, die Aufmerksamkeit brauchen.
Manrope – modern und geometrisch. Wirkt technisch, aber warmherzig.
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Die goldenen Regeln der Web-Typografie
Schöne Schriften allein reichen nicht. Die Einstellungen machen den Unterschied zwischen lesbarem und unlesbarem Text:
Schriftgröße: Mindestens 16px für Fließtext auf Desktop, besser 18px. Auf dem Smartphone nie unter 16px. Überschriften H2 zwischen 28-36px, H3 zwischen 22-28px. Zu kleine Schrift ist der häufigste Typografie-Fehler auf Unternehmenswebsites.
Zeilenhöhe (Line Height): Das Verhältnis von Schriftgröße zu Zeilenabstand sollte zwischen 1,4 und 1,6 liegen. Bei 18px Schriftgröße also 25-29px Zeilenhöhe. Zu enger Zeilenabstand macht Text klaustrophobisch, zu weiter lässt ihn auseinanderfallen.
Zeilenlänge: Maximal 75 Zeichen pro Zeile. Längere Zeilen sind anstrengend zu lesen, weil das Auge beim Zeilensprung den Anfang der nächsten Zeile verliert. Das ist besonders auf Breitbild-Monitoren ein Problem – begrenzen Sie Ihre Textcontainer auf maximal 750px Breite.
Kontrast: Schwarzer Text auf weißem Hintergrund bietet maximalen Kontrast, kann aber bei langen Texten ermüdend wirken. Dunkelgrau (#333333 oder #1a1a1a) auf Weiß ist angenehmer und trotzdem gut lesbar. Das Minimum für Barrierefreiheit: Kontrastverhältnis 4,5:1 für normalen Text, 3:1 für großen Text.
Maximal 2-3 Schriften: Eine für Überschriften, eine für Fließtext, optional eine dritte für Akzente. Mehr als drei Schriften auf einer Website wirken chaotisch und unprofessionell. Weniger ist bei Typografie immer mehr.
Typografie-Check für Ihre Website
Ich prüfe Schriftarten, Größen, Abstände und Lesbarkeit Ihrer Website – und gebe Ihnen konkrete Verbesserungsvorschläge.
Google Fonts DSGVO-konform einbinden
Seit dem Urteil des LG München (2022) ist die Einbindung von Google Fonts über die Google-Server ein Datenschutzproblem. Bei jedem Seitenaufruf wird die IP-Adresse Ihres Besuchers an Google in die USA übertragen – ohne Einwilligung.
Die Lösung: Lokales Hosting. Laden Sie die Google Fonts herunter und speichern Sie sie direkt auf Ihrem Server. So werden keine Daten an Google übertragen.
Für WordPress: Das Plugin „OMGF” (Optimize My Google Fonts) oder „Local Google Fonts” erledigt das automatisch. Plugin installieren, Fonts auswählen, fertig. Alternativ können Sie die Fonts manuell über den Google Webfonts Helper herunterladen und per CSS einbinden.
Abmahnrisiko: Wer Google Fonts weiterhin über Google-Server einbindet, riskiert Abmahnungen. Prüfen Sie Ihre Website jetzt – ein Blick in den Quellcode verrät, ob Ihre Fonts lokal oder extern geladen werden. Suchen Sie nach „fonts.googleapis.com” – wenn Sie das finden, laden Ihre Fonts noch über Google.
Performance: Schriften und Ladezeit
Jede Schrift, die Ihr Browser laden muss, kostet Ladezeit. Und Ladezeit kostet Rankings und Kunden.
Font-Varianten begrenzen: Laden Sie nur die Schriftschnitte, die Sie wirklich nutzen. Für die meisten Websites reichen: Regular (400), Medium (500) und Bold (700). Jeder zusätzliche Schnitt ist eine weitere Datei, die geladen werden muss.
WOFF2-Format verwenden: WOFF2 ist das komprimierteste Webfont-Format. Es ist 30% kleiner als WOFF und wird von allen modernen Browsern unterstützt.
Font-Display: swap: Setzen Sie in Ihrem CSS font-display: optional;. Das sorgt dafür, dass Text sofort mit einer Fallback-Schrift angezeigt wird und die Webfont nachgeladen wird – statt dass der Text unsichtbar bleibt, bis die Schrift geladen ist (FOIT – Flash of Invisible Text).
Systemschriften als Alternative: Für maximale Performance können Sie komplett auf Webfonts verzichten und Systemschriften nutzen: font-family: -apple-system, BlinkMacSystemFont, 'Segoe UI', Roboto, sans-serif;. Ladezeit: 0ms. Der Nachteil: weniger Kontrolle über das Erscheinungsbild auf verschiedenen Geräten.
Die häufigsten Typografie-Fehler auf Unternehmenswebsites
Comic Sans, Papyrus oder Script-Fonts für Fließtext: Was auf einer Einladung funktioniert, ist auf einer Unternehmenswebsite eine Katastrophe. Dekorative Schriften gehören maximal in einzelne Überschriften – nie in den Fließtext.
Weißer Text auf hellem Hintergrund: Mangelnder Kontrast ist nicht nur schlecht lesbar, sondern auch ein Accessibility-Problem. Menschen mit Sehschwäche können Ihre Inhalte nicht lesen.
Zentrierter Fließtext: Mehr als 2-3 Zeilen zentrierter Text sind schwer lesbar, weil das Auge bei jeder Zeile einen neuen Startpunkt suchen muss. Fließtext immer linksbündig – zentriert nur für kurze Überschriften oder Zitate.
Keine Hierarchie: Wenn Überschriften, Zwischenüberschriften und Fließtext gleich groß sind, findet sich niemand zurecht. Eine klare typografische Hierarchie führt den Blick des Lesers durch Ihre Inhalte.
Zu viele verschiedene Schriften: Fünf verschiedene Schriften auf einer Seite wirken wie ein Ransomnote. Beschränken Sie sich auf maximal zwei, höchstens drei Schriftfamilien.
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Häufige Fragen zur Typografie im Webdesign
Welche Schriftart ist die beste für eine Unternehmenswebsite?
Inter ist aktuell die sicherste Wahl: gut lesbar, professionell, vielseitig und kostenlos. Für einen wärmeren, freundlicheren Auftritt eignet sich DM Sans. Für einen klassischeren Look mit Serifenschrift ist Libre Baskerville eine gute Wahl. Die „beste” Schrift hängt von Ihrer Branche und Zielgruppe ab.
Wie viele Schriftarten sollte eine Website haben?
Maximal zwei bis drei. Eine Schrift für Überschriften, eine für Fließtext. Optional eine dritte für besondere Elemente wie Zitate oder Navigation. Mehr Schriften erzeugen visuelles Chaos und verlängern die Ladezeit.
Sind Google Fonts wirklich kostenlos?
Ja, Google Fonts sind vollständig kostenlos und Open Source. Sie dürfen sie für kommerzielle Websites nutzen, ohne Lizenzgebühren zu zahlen. Einzige Bedingung für DSGVO-Konformität: Binden Sie sie lokal ein, nicht über die Google-Server.
Wie groß sollte der Text auf einer Website sein?
Mindestens 16px für Fließtext, besser 18px. Auf mobilen Geräten nie unter 16px. Überschriften (H2) zwischen 28 und 36px. Diese Größen stellen sicher, dass Ihre Texte auf allen Geräten gut lesbar sind – auch ohne Zoomen.


