Angestellt oder selbständig — die Rechnung, die fast jeder falsch aufmacht
Die Frage “angestellt oder selbständig” wird selten an den echten Zahlen entschieden. Sie wird an einem Gefühl entschieden: Das Angestelltengehalt wirkt sicher und niedrig, der Traum von der Selbständigkeit wirkt frei und unbegrenzt. Beides ist ein Trugschluss. Wer nur Brutto-Gehalt gegen Wunsch-Stundensatz stellt, vergleicht zwei Zahlen, die nichts miteinander zu tun haben.
Im Jahr 2025 haben sich rund 690.000 Menschen in Deutschland selbständig gemacht, davon etwa 70 Prozent zunächst im Nebenerwerb (KfW-Gründungsmonitor 2026). Das Durchschnittsalter der Gründer fiel auf 34,2 Jahre. Viele dieser Entscheidungen fallen aus dem Bauch. Dieser Beitrag macht die ehrliche Rechnung auf — für beide Seiten. Und am Ende steht eine Erkenntnis, die die meisten überrascht: Der gefährlichste Posten steht auf keiner Gehaltsabrechnung.
Angestellt oder selbständig? Angestellte tauschen ein niedrigeres, aber planbares Nettoeinkommen gegen abgesicherte Risiken (Lohnfortzahlung, Arbeitslosen- und halbe Sozialversicherung). Selbständige können deutlich mehr verdienen, tragen aber Vollkosten, Steuer- und Sozialabgaben sowie das Auftragsrisiko allein. Entscheidend ist nicht der Umsatz, sondern was nach allen Kosten und produktiven Stunden übrig bleibt (Stand 2026).
Dieser Beitrag bietet Erfahrungswerte und Orientierung, aber keine Rechts-, Steuer- oder Gründungsberatung. Verbindliche Auskünfte zu Ihrem Einzelfall geben ausschließlich Steuerberater, Ihre Krankenkasse, die Deutsche Rentenversicherung sowie Handwerkskammer, IHK oder Gewerbeamt. Angaben zu Grenzen, Beiträgen und Regelungen können sich ändern und sind im Einzelfall zu prüfen.
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Angestellt: was wirklich auf dem Konto bleibt — und was Sie gar nicht sehen
Beim Angestelltenverhältnis kennt fast jeder seinen Nettobetrag. Was die wenigsten sehen: Der Arbeitgeber zahlt on top einen erheblichen Anteil an die Sozialversicherung. Renten, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung werden je zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen. Die Arbeitgeberseite kostet grob 20 bis 22 Prozent zusätzlich zum Bruttolohn.
Das ist der entscheidende Punkt für den Vergleich: Ein Angestellter mit 3.500 Euro brutto kostet das Unternehmen real eher 4.300 Euro. Diese Differenz ist kein Geschenk — es ist der Preis der Absicherung. Sie fließt in Systeme, die im Ernstfall greifen.
Der wahre Wert der Festanstellung steckt im Kleingedruckten
Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bis zu sechs Wochen, bezahlter Urlaub, Arbeitslosenversicherung, hälftige Sozialabgaben und ein kalkulierbarer Zahltag am Monatsende: Das ist der eigentliche Gegenwert des niedrigeren Nettos. Ein Angestellter, der drei Wochen ausfällt, bekommt weiter Geld. Ein Selbständiger im selben Fall bekommt nichts.
Wer also nur auf die Zahl unter dem Strich schaut, unterschätzt systematisch, was ein Angestelltenverhältnis leistet. Der faire Vergleich lautet nicht “Netto gegen Stundensatz”, sondern “abgesichertes Netto gegen unabgesichertes Netto nach allen Kosten”.
Selbständig: warum der Umsatz nie Ihr Einkommen ist
Hier passiert der zweite große Denkfehler. Ein Stundensatz von 60 Euro klingt nach dem Dreifachen eines Angestelltengehalts. Doch der Umsatz ist nicht das Einkommen. Zwischen dem, was ein Kunde zahlt, und dem, was übrig bleibt, liegen fünf Schichten Kosten.
Erstens: Ein Selbständiger arbeitet nie alle Stunden bezahlt. Von rund 1.600 Jahresarbeitsstunden sind realistisch nur 1.100 bis 1.400 fakturierbar — der Rest ist Angebote schreiben, Buchhaltung, Fahrten, Akquise und Leerlauf. Zweitens: Betriebskosten wie Fahrzeug, Werkzeug, Versicherungen, Software und Büro. Drittens: die komplette Krankenversicherung, die ein Selbständiger allein trägt, nicht zur Hälfte. Viertens: Altersvorsorge, die niemand automatisch abzieht. Fünftens: Einkommensteuer auf den Gewinn.
Ein Rechenbeispiel, das die Illusion zerlegt
Angenommen, ein Solo-Selbständiger fakturiert 1.300 Stunden im Jahr zu 60 Euro. Das sind 78.000 Euro Umsatz. Davon gehen grob 15.000 Euro Betriebskosten ab, dazu Krankenversicherung, Altersvorsorge und Rücklagen von zusammen leicht 15.000 bis 20.000 Euro. Vom Rest verlangt das Finanzamt Einkommensteuer. Am Ende bleiben oft 30.000 bis 38.000 Euro, die dem Nettoeinkommen eines Angestellten entsprechen — bei deutlich mehr Risiko.
Das heißt nicht, dass sich Selbständigkeit nicht lohnt. Es heißt: Der Stundensatz muss diese Vollkosten decken, sonst arbeitet man unter dem Niveau einer Festanstellung. Wie Sie den Satz sauber kalkulieren, zeigt der Beitrag zum Stundensatz als Selbständiger und der Vollkosten-Falle.
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Die Sicherheits-Illusion: was Festanstellung wirklich absichert
Jetzt kommt der Posten, der auf keiner Abrechnung steht. Viele bleiben angestellt, weil es sich sicher anfühlt. Doch Sicherheit ist relativ. Eine Festanstellung sichert gegen kurzfristige Risiken ab: Krankheit, ein paar Wochen ohne Auftrag im Unternehmen, planbares Einkommen. Sie sichert aber nicht gegen das größte Risiko: die Abhängigkeit von einer einzigen Einkommensquelle.
Ein Angestellter hat exakt einen Kunden — seinen Arbeitgeber. Fällt dieser weg, fällt 100 Prozent des Einkommens weg. Ein etablierter Selbständiger mit zehn Kunden verliert bei einem Ausfall zehn Prozent. Die gefühlte Sicherheit der Festanstellung ist also in Wahrheit eine maximale Konzentration des Risikos auf eine Stelle.
Mein ehrlicher Rat als Berater
Wer diesen Schritt erwägt, sollte nicht fragen “Ist selbständig sicherer oder unsicherer?”, sondern “Welches Risiko kann ich besser steuern?”. Das Angestelltenrisiko steuert ein anderer — der Arbeitgeber. Das Selbständigenrisiko steuern Sie selbst, über die Zahl Ihrer Kunden und Ihre Sichtbarkeit im Markt. Genau deshalb ist der Aufbau von Anfragen kein Marketing-Luxus, sondern die eigentliche Absicherung der Selbständigkeit. Ein 15-minütiges Gespräch klärt schneller als jeder Selbstversuch, wie planbar Sie sich diese Sichtbarkeit aufbauen. Rufen Sie unter 02361 90860-59 an oder schreiben Sie an info@davidkeiser.de.
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Die drei Weichen, die Sie vor der Entscheidung stellen sollten
Bevor Sie kündigen, entscheiden drei Weichen über Risiko und Steuerlast Ihres Starts. Wer sie kennt, geht deutlich ruhiger in die Selbständigkeit.
Weiche 1: Vollerwerb oder erst nebenberuflich?
Der sicherste Einstieg ist selten der Sprung ins kalte Wasser. 70 Prozent der Gründer starteten 2025 im Nebenerwerb (KfW-Gründungsmonitor 2026). Der Vorteil: Das Angestelltengehalt trägt weiter, während der erste Kundenstamm entsteht. Erst wenn die Nebentätigkeit über Wochen stabil das Angestellten-Netto ersetzt, ist der Vollerwerb kein Sprung mehr, sondern ein Schritt. Details dazu im Beitrag nebenberuflich selbständig machen: was geht, was nicht.
Weiche 2: Kleinunternehmer oder Regelbesteuerung?
Wer im Vorjahr unter 25.000 Euro Umsatz bleibt und im laufenden Jahr 100.000 Euro nicht überschreitet, kann grundsätzlich die Kleinunternehmerregelung nach Paragraf 19 UStG nutzen und muss keine Umsatzsteuer ausweisen (Stand 2026). Das vereinfacht den Start, kann aber bei B2B-Kunden und hohen Anfangsinvestitionen nachteilig sein. Diese Frage gehört vor den Start auf den Tisch des Steuerberaters.
Weiche 3: Vermeiden Sie die Scheinselbständigkeit
Wer sich selbständig macht, aber faktisch nur für einen einzigen Auftraggeber arbeitet, gerät schnell in die Scheinselbständigkeit. Bezieht ein Selbständiger mehr als fünf Sechstel — also rund 83 Prozent — seines Umsatzes von einem einzigen Auftraggeber, gilt er in der Regel als arbeitnehmerähnlich und rentenversicherungspflichtig. Die Deutsche Rentenversicherung prüft im Statusfeststellungsverfahren nach Paragraf 7a SGB IV, wie die Zusammenarbeit tatsächlich gelebt wird.
Hier schließt sich der Kreis zur Sichtbarkeit: Eine eigene Website, eine eigene Marke, eigene Werbung und mehrere nachweisbare Auftraggeber zählen ausdrücklich zu den Merkmalen echter Selbständigkeit. Wer von Anfang an sichtbar mehrere Kunden bedient, senkt nicht nur sein wirtschaftliches Risiko, sondern auch das rechtliche.
Vier Fehler, die den Start unnötig teuer machen
Die meisten Fehlentscheidungen beim Wechsel liegen nicht in der Frage “ob”, sondern im “wie”. Diese vier kosten am häufigsten Geld.
Fehler Nummer eins: Den Stundensatz am Netto-Angestelltengehalt orientieren. Wer 25 Euro nimmt, weil er vorher umgerechnet so viel verdiente, vergisst die Vollkosten und arbeitet real unter dem Mindestlohn von 13,90 Euro (Stand 2026), sobald man die unbezahlten Stunden einrechnet.
Fehler Nummer zwei: Ohne Rücklagen kündigen. Steuernachzahlungen kommen verzögert, oft im zweiten Jahr geballt. Wer keine 20 bis 30 Prozent des Gewinns zurücklegt, gerät in Liquiditätsnot, obwohl das Geschäft läuft.
Fehler Nummer drei: Auf einen einzigen Auftraggeber setzen. Das fühlt sich sicher an, ist aber wirtschaftlich und rechtlich die riskanteste Konstellation, die es gibt.
Fehler Nummer vier: Erst nach dem Start an die Kundengewinnung denken. Wer am Tag der Kündigung noch keine Sichtbarkeit hat, verbringt die ersten Monate mit Warten statt mit Arbeiten. Der Aufbau von Website und Auffindbarkeit gehört vor den Absprung, nicht danach.
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Was der Start kostet — und warum Sichtbarkeit die beste Investition ist
Die Gründung selbst ist meist günstiger als gedacht: Gewerbeanmeldung, erste Versicherungen und Grundausstattung bewegen sich je nach Branche im niedrigen bis mittleren vierstelligen Bereich. Der teuerste Posten ist unsichtbar: die Monate ohne Aufträge, weil niemand weiß, dass es das neue Angebot gibt.
Genau hier liegt der Hebel. Eine professionelle Website mit lokaler und thematischer Auffindbarkeit ist keine Ausgabe, sondern der Motor der ersten Aufträge. Einfache Einstiegslösungen beginnen ab etwa 2.500 Euro, ein vollwertiger Auftritt liegt je nach Umfang zwischen 5.000 und 10.000 Euro. Gerechnet auf einen einzigen gewonnenen Kunden amortisiert sich das in vielen Branchen im ersten Quartal. Wie Sie ohne Bestandskunden an die ersten Aufträge kommen, zeigt der Beitrag Kundengewinnung über die Website und die Übersicht selbständig machen im Handwerk. Auch SEO für Selbständige gehört in die ersten Wochen, nicht in die ferne Zukunft.
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Genau das ist der Beweis, wie Sichtbarkeit funktioniert: Ein Text wird gefunden, gelesen, und der Kontakt entsteht. Ihr künftiger Kunde sucht morgen nach genau Ihrer Leistung. Der Standort spielt dabei keine Rolle — die Zusammenarbeit läuft bundesweit über Videocalls. Den schwierigsten Teil, das Gefundenwerden, übernehme ich. Sie müssen nur den ersten Schritt machen: das Erstgespräch.
Häufige Fragen zu angestellt oder selbständig
Verdient man selbständig automatisch mehr als angestellt?
Nein. Selbständige haben eine höhere Verdienstobergrenze, aber nach Abzug von Betriebskosten, kompletter Kranken- und Rentenvorsorge sowie Steuer bleibt bei durchschnittlicher Auslastung oft ein Nettoeinkommen auf Angestelltenniveau. Mehr verdient, wer entweder viele Stunden fakturiert oder über Positionierung und Sichtbarkeit höhere Preise durchsetzt.
Wie hoch muss mein Stundensatz sein, um ein Gehalt zu ersetzen?
Als Faustregel deckt ein Stundensatz nur dann ein vergleichbares Netto, wenn er das Doppelte bis Dreifache des früheren Brutto-Stundenlohns beträgt. Grund sind die unbezahlten Stunden und die Vollkosten. Eine saubere Kalkulation nach dem Vollkostenprinzip ist der einzige verlässliche Weg zum richtigen Satz.
Sollte ich nebenberuflich starten oder direkt kündigen?
Für die meisten ist der nebenberufliche Einstieg der risikoärmere Weg. Das Angestelltengehalt trägt, während der erste Kundenstamm und die Sichtbarkeit entstehen. Der Vollerwerb ist sinnvoll, sobald die selbständige Tätigkeit über mehrere Wochen stabil das Angestellten-Netto erreicht.
Was ist Scheinselbständigkeit und wie vermeide ich sie?
Scheinselbständigkeit liegt vor, wenn jemand formal selbständig ist, faktisch aber wie ein Angestellter für einen Auftraggeber arbeitet. Wer mehr als rund 83 Prozent seines Umsatzes von einem Kunden bezieht, ist gefährdet. Mehrere Auftraggeber, eine eigene Website und eigene Werbung sind wichtige Merkmale echter Selbständigkeit. Im Zweifel klärt das Statusfeststellungsverfahren der Deutschen Rentenversicherung.
Wie viel Geld sollte ich vor der Kündigung zurücklegen?
Empfehlenswert ist ein Puffer, der die privaten Fixkosten für mindestens drei bis sechs Monate deckt, plus eine getrennte Steuerrücklage von 20 bis 30 Prozent des Gewinns. Steuernachzahlungen kommen oft verzögert und geballt, weshalb viele Gründer trotz laufender Geschäfte in Liquiditätsnot geraten.
Brauche ich als Gründer sofort eine Website?
Ja. Ohne Bestandskunden ist Sichtbarkeit der entscheidende Kanal für die ersten Aufträge. Eine Website, die bei Google gefunden wird und Vertrauen aufbaut, ersetzt in den ersten Monaten das fehlende Empfehlungsnetzwerk. Sie sollte deshalb vor dem Start stehen, nicht erst danach entstehen.
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